05.09.2026 - "Leider ist im Landkreis Forchheim bisher zu wenig passiert"


Leserbrief zum FT-Artikel "Leider ist im Landkreis Forchheim bisher zu wenig passiert"


Anscheinend wurde mein Leserbrief an den Fränkischen Tag nicht veröffentlicht. Daher sehe ich es als angemessen an, diesen hier zu veröffentlichen. Inhaltlich ging es mir um die Aussagen eines Beamten (oder Angestellten) des Landratsamtes Forchheim, die ich für diffamierend bzw. unwahr erachte.

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Auch wenn die Redaktion des FT scheinbar objektiv versucht die Argumente der Windkraftgegner zu analysieren, läuft es IMMER auf eine Widerlegung hinaus. Man kann sich darüber ärgern, aber letztlich ist es die Meinungsfreiheit der Redaktion, die verschiedenen Argumente nach ihrem Dünken zu bewerten.

Anders sieht es aus, wenn ein offizieller Vertreter des Landratsamtes eine Aussage macht. Mehr als befremdlich sind die Behauptungen, das im Landkreis Forchheim der politische Wille fehle und die Windkraftgegner eine ungewöhnlich große Gegenstimmung organisieren würden. Letztlich seien sie aber nur Vertreter einer ’NIMBY-Szene’. Abgesehen davon das diese Aussagen nicht der Wahrheit entsprechen, steht es meines Erachtens einem Angestellten oder Beamten nicht zu, politische Aussagen zu machen. Wenn Bürger sich organisieren, um gesellschaftliche, politische oder lokale Ziele zu verfolgen, spricht man von zivilgesellschaftlichem Engagement, das nicht zu kritisieren ist. Wenn sie dann als ’NIMBY’ bezeichnet werden, ist das nichts anderes als eine Diffamierung.

Auch die Aussage, dass die Mehrheit der Bevölkerung im Landkreis erneuerbare Energie befürwortet, muss man relativieren. So sind die Ergebnisse einer Umfrage, die letztes Jahr landkreisweit durchgeführt wurde, noch nicht veröffentlicht. Nur wer bei einer der letzten Kreistagssitzungen teilnahm, konnte viele wichtige Zahlen erfahren.

So ist zum einen die Akzeptanz von Windenergieanlagen und Freiflächenphotovoltaikanlagen deutlich unterschiedlich. Solarparks sind nicht so beliebt, während Windräder wahrscheinlich deswegen nur „gut wegkommen” weil man sie im letzten Winkel einer Kommunalfläche platziert oder in Wäldern versteckt. Entscheidend ist jedoch, dass an dieser Umfrage nur 425 Bürger teilgenommen haben. Auf dieser Basis halte ich es für mutig, Schlüsse für den gesamten Landkreis zu ziehen. Fakt ist, das bei der Planungsbehörde in Bamberg, die letztlich über die Vorranggebiete im Bereich Oberfranken West entschieden hat, weit mehr als tausend Stellungnahmen gegen die Windenergieanlagen abgegeben wurden. Leider wurden diese Einwände kaum inhaltlich bewertet, sondern mit der Phrase „Im überragenden öffentlichen Interesse” abgewiesen. Mit diesem Sprachkonstrukt kann man zwar jegliche Kritik der Bürger abfertigen, aber es bleibt ein fader Beigeschmack nach dem Motto „Die da oben machen was sie wollen”.

Reiner Pracht